Einleitung

Auf den folgenden Seiten dokumentieren wir den Brandanschlag auf die Geflüchtetenunterkunft in der Lübecker Hafenstraße 52 in den frühen Morgenstunden des 18. Januar 1996 sowie den Umgang von Behörden, Justiz und Öffentlichkeit mit diesem Verbrechen.

Der „Fall Hafenstraße“ umfasst den Brandanschlag in der Lübecker Hafenstraße im Januar 1996 sowie die anschließenden Ermittlungen und Gerichtsverfahren. Diese endeten bislang damit, dass niemand für das Verbrechen verurteilt wurde. Zwar galten für kurze Zeit vier junge Neonazis aus Grevesmühlen als tatverdächtig, doch richteten Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen Safwan E., einen Überlebenden und Bewohner des Hauses. Ihm wurde zweimal der Prozess gemacht; in beiden Verfahren wurde er freigesprochen.

Entgegen der Behauptungen der verantwortlichen Staatsanwälte konnte der Tatverdacht gegen die vier Grevesmühlener nicht ausgeräumt werden. Im Gegenteil: Bis 1998 verdichteten sich die Hinweise auf ihre Beteiligung. Dennoch weigerten sich die Ermittlungsbehörden vehement, diesem Verdacht nachzugehen.

Antifaschistische Initiativen sprachen bereits im Frühjahr 1996 von „in ihrer Einseitigkeit rassistischen Ermittlungen“, bei denen ein Opfer des Anschlages zum Täter konstruiert wurde, während die eigentlich Tatverdächtigen in Schutz genommen wurden.

Die folgende Dokumentation ist thematisch gegliedert, baut inhaltlich aufeinander auf und wird fortlaufend ergänzt.

Inhalte der Dokumentation

» Chronologie der wichtigsten Ereignisse

Zeitliche Übersicht der Ereignisse vor, während und nach dem Brandanschlag.

» Die Brandnacht

Zeitliche Rekonstruktion des Ablaufs der Nacht des 18. Januar 1996.

» Die Opfer

Gedenkseite für die Opfer und Verletzten des Brandanschlags.

» Der Tatverdacht gegen die vier Grevesmühlener

Dokumentation der Ermittlungen, Zeug*innenaussagen, Spuren, Geständnisse sowie offenen Fragen und Widersprüche im Zusammenhang mit den vier Grevesmühlener Tatverdächtigen.

» Der Tatverdacht gegen einen Hausbewohner

Dokumentation der Ermittlungen, der zugrunde liegenden Zeug*innenaussagen sowie der weiteren strafrechtlichen Maßnahmen.

» Wo brach das Feuer aus?

Zeug*innenbeobachtungen und Brandgutachten zur Frage des tatsächlichen Brandausbruchortes.

» Wir, die Überlebenden

Stellungnahme der Überlebenden des Brandanschlags aus dem Frühjahr 1996.

» Prozessinfo

Prozessbegleitendes antirassistisches Informationsblatt des Lübecker Bündnis gegen Rassismus.