Lübeck, 17.1.2026 – Heute sind rund 650 Menschen in Lübeck auf die Straße gegangen, um gemeinsam mit den Familien und Hinterbliebenen an den rassistischen Brandanschlag in der Hafenstraße zu erinnern. Im Mittelpunkt standen das Gedenken an die zehn Ermordeten und 38 Verletzten sowie die anhaltende Forderung nach Aufklärung und Konsequenzen.

Ein Bestandteil der Demonstration waren die Grußworte befreundeter Initiativen, die uns im Vorfeld zugesandt und heute auf der Demonstration verlesen wurden. Sie zeigen: Das Gedenken an die Hafenstraße ist Teil eines gemeinsamen, überregionalen Kampfes gegen rassistische Gewalt.

Wir veröffentlichen die Grußworte hier, um diese solidarischen Stimmen hörbar zu machen und zu dokumentieren.

Zugleich weisen wir erneut auf unsere Kampagne #zeitzureden hin. Hinweise, Beobachtungen und Erinnerungen können auch nach 30 Jahren entscheidend sein.

Morgen, um 12 Uhr, findet das Gedenken zum 30. Jahrestag am Gedenkstein an der Ecke Hafenstraße / Konstantinstraße statt.

Monika Maiamba Bunga – Rest in Power
Nsuzana Bunga – Rest in Power
Christine Makodila – Rest in Power
Christelle Makodila Nsimba – Rest in Power
Sylvio Bruno Comlan Amoussou – Rest in Power
Rabia El-Omari – Rest in Power
Françoise Makodila Landu – Rest in Power
Jean-Daniel Makodila Nkosi – Rest in Power
Legrand Makodila Mbongo – Rest in Power
Miya Makodila – Rest in Power

Liebe Überlebende des rassistischen Brandanschlags auf die Hafenstraße 52 in Lübeck, liebe anwesende Überlebende und Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, liebe Verbündete – wir senden euch unsere solidarischen Herzensgrüße.

Wir können nicht laut genug, nicht oft genug, nicht viele genug hier sein – denn die Mörder eurer Liebsten sind noch immer frei. Umso dringender möchten wir eure Stimmen hören!

#zeitzureden
Liebe Überlebende aus der Hafenstraße: Danke, dass Ihr bereits damals geredet habt: Zwischen unendlicher Trauer, Angst, Schmerzen und den quälenden Vernehmungen habt ihr gemeinsam gesprochen. Und Eure Worte von 1996 rufen uns immer noch auf. Eure gemeinsame Erklärung war und ist beeindruckend: sie ist Würde, ist Solidarität und Selbstbehauptung gegen die Lügen, die Spaltung und den Rassismus in Medien und Justiz. Und sie ist aktuell wie damals.

#zeitzureden bedeutet daher auch: Betroffene erzählen ihre Geschichten – und wir hören zu. Denn euer Reden verändert Gesellschaften und beschreibt, wie Gerechtigkeit aussehen kann. Wer erzählt? Wer hört zu? Wer verändert sich?

Ihr habt zusammengelebt. Wie eine Familie, sagtet ihr damals. Menschen aus Angola, dem Libanon, Syrien, Togo und dem damaligen Zaire. Ihr habt gesagt: Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen, wir lassen uns nicht spalten.

#zeitzureden:  Wie wir allen gewaltsamen Spaltungen entgegentreten, wie wir Rassismus, Antisemitismus und alle anderen Gewaltverhältnisse überwinden (lernen)

Ihr seid der grausamen Täter-Opfer-Umkehr, die in der Strafverfolgung eines der Überlebenden ihren Höhepunkt fand, gemeinsam entgegen getreten.  

Es war weder das erste noch das letzte Mal, dass Spuren zu weißen Deutschen, zu Neonazis ignoriert und stattdessen Überlebende kriminalisiert wurden.

#zeitzureden heißt deshalb auch, die Kontinuität rassistischer Ermittlungen zu beenden – durch Entschädigung, öffentliche Entschuldigung und indem Betroffene als Expert*innen wahr- und ernstgenommen werden, wenn sie auf rechte, rassistische oder antisemitische Hintergründe von Gewalt verweisen

#zeitzureden heißt deshalb auch weiter lautstark zu fordern, dass die Morde in der Hafenstraße in Lübeck, der Mord an Oury Jalloh endlich aufgeklärt und die Täter*innen zur Rechenschaft gezogen werden.

Ihr habt gezeigt: Solidarität überwindet rassistische Trennungen und staatliche Lügen. Erinnerung ist nicht nur Trost, sondern Anklage und Auftrag zur Aufklärung.

Im Netzwerk der Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt wird eure Arbeit ebenso weitergeführt: gegen Rassismus, Antisemitismus und gegen Spaltung.

#zeitzureden, wie wir es gemeinsam schaffen allen gewaltsamen Spaltungen entgegenzutreten

#zeitzureden, wie Gerechtigkeit und Veränderung aussehen kann. 

#zeitzureden, was wir der Gewalt in Gesellschaft, in Medien, in Behörden und Justiz entgegenstellen? 

#zeitzureden über noch mehr Fragen:
Wie können wir Orte der Solidarität, des Austausches, der Trauer, der Wut und der Ermutigung gestalten? Wessen Erfahrungen, Erzählungen und Forderungen stehen im Mittelpunkt? Wie können wir viele dieser Orte schaffen?  

#Zeitdarüber zu reden, wie wir die Nazis von den Straßen, aus den Parlamenten und Regierungen bekommen

#Zeitdarüber zu reden, dass Antifaschist*innen nicht vor´s Gericht oder in Gefängnisse, sondern zurück in unsere Arme gehören.  

Wir erinnern heute auch an die 13 Schwarzen Jugendlichen – Humphrey Brown, Peter Campbell, Steve Collins, Patrick Cummings, Gerry Francis, Andrew Gooding, Lloyd Richard Hall, Patricia Denise Johnston, Rosalind Henry, Glenton Powell, Paul Ruddock, Yvonne Ruddock, Owen Thompson –, die am 18. Januar 1981 beim New Cross Fire in London ermordet wurden. Trotz zwei Untersuchungen ist bis heute niemand für die Morde angeklagt worden

Danke, liebe Initiative Hafenstraße 96, für die Kampagne, die ihr im Dezember gestartet habt.

Ja, es ist: #zeitzureden und #zeitzutun ! euer Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992

In Gedenken an:

  Françoise Makodila Landu
  Christine Makodila
  Miya Makodila
  Christelle Makodila Nsimba
  Legrand Makodila Mbongo
  Jean-Daniel Makodila Nkosi
  Monica Maiamba Bunga
  Nsuzana Bunga
  Sylvio Bruno Comlan Amoussou
  Rabia El Omari

  liebe Überlebende,
  liebe Angehörige,
  des rassistischen Brandanschlags in Lübeck vor 30 Jahren.
  liebe Initiative Hafenstraße 96

  wir, von der Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freudeskreis schicken euch herzliche & solidarische Grüße.
  Wir konnten leider heute nicht in Lübeck sein, weil wir ein eigenes Treffen hatten.
  Wir sind an eurer Seite und fordern mit Euch die Aufklärung der Morde durch den Brandanschlag, Konsequenzen der Ermittlungspannen und Aufklärung.
  Gerade in dieser Zeit, in der die AfD es schaffen könnte, eine Landesregierung zu stellen und Antifaschist*innen immer stärkeren Repressionen des Staates ausgessetzt sind, wo Rassismus tötet, wo institutioneller und Alltags-Rassismus das Leben vieler bedroht, ist es notwendig die Stimmen von Betroffenen und Überlebenden zu hören. Es ist nötig, hier allen Spuren nachzugehen ohne rassistische und faschistische Hintergründe und Motive auszuklammern.
Gerade diesen muss nachgegangen werden.
  Betroffene dürfen nicht beschuldigt und zu Täter:innen gemacht werden.
  Rassismen und faschistische Haltungen werden klein geredet und verharmlost – wir kämpfen mit Euch Seite an Seite für ein selbstbestimmtes, solidarisches und ungefährdetes Leben für alle.

  Wir fordern mit Euch die Einrichtung von parlamentarischen Untersuchungsausschüssen in Schleswig-Holsteinischen und Mecklenburg-Vorpommern, die Aufklärung von Ermittlungspannen, die Wiederaufnahme von Ermittlungen sowie eine Unterstützung für Euch in allen finanziellen &  gesundheitelichen Belangen.

  Erinnern heißt Handeln.

  Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis am 18. Januar 2026